916.610

Weinverordnung

(WeinV)

vom 20.06.2022 (Stand 01.08.2022)
Der Grosse Rat des Kantons Appenzell I.Rh.,

gestützt auf Art. 16 Abs. 2 und Art. 35 des Landwirtschaftsgesetzes vom 30. April 2000 (LaG) und Art. 27 Abs. 1 der Kantonsverfassung vom 24. Wintermonat 1872,

beschliesst:
I. Allgemeine Bestimmungen
Art. 1
Zweck und Zuständigkeit
1

Diese Verordnung bezweckt den Vollzug der Bundesgesetzgebung über die Weinwirtschaft.

2

Die Standeskommission bezeichnet das für den Vollzug zuständige Amt.

Art. 2
Weinspezifische Begriffe
1

Die Verwendung weinspezifischer Begriffe richtet sich nach Art. 19 Abs. 1 und Anhang 1 der Verordnung über Rebbau und die Einfuhr von Wein vom 14. November 2007.

2

Die Standeskommission kann weitere Begriffe festlegen.

Art. 3
Weinlesekontrolle
1

Die systematische Weinlesekontrolle obliegt dem Landwirtschaftsamt. Es kann die damit verbundenen Aufgaben an Dritte übertragen.

II. Rebpflanzungen
Art. 4
Neupflanzungen
1

Das Gesuch um Bewilligung einer Neupflanzung für Weinerzeugung enthält:

a) die Angaben nach Art. 2 Abs. 2 der Verordnung über Rebbau und die Einfuhr von Wein vom 14. November 2007;
b) eine Planskizze samt Parzellen-Nummer, Rebfläche und Rebsorten.
2

Die Standeskommission bezeichnet das für die Bewilligung des Gesuchs zuständige Amt. Dieses hört im Bewilligungsverfahren die kantonale Fachstelle für Natur- und Landschaftsschutz an.

3

Neuanpflanzungen, die nicht der Weinerzeugung dienen, sind dem für den Vollzug zuständigen Amt zu melden.

4

Neuanpflanzungen bis 400m² für den Eigengebrauch sind nicht bewilligungspflichtig.

Art. 5
Erneuerung von Rebflächen
1

Die Meldung einer Erneuerung erfolgt bis 30. Juni des Pflanzjahrs an das für den Vollzug zuständige Amt.

2

Die Meldung enthält folgende Angaben:

a) Standortbezirk;
b) Parzellennummer;
c) Rebfläche;
d) Rebsorten;
e) Pflanzjahr.
Art. 6
Rebbaukataster
1

Der Rebbaukataster wird durch das für den Vollzug zuständige Amt geführt.

2

Die Neupflanzung von Rebflächen mit bis 400m² für den Eigengebrauch wird im Rebbaukataster nicht erfasst.

III. Kontrollierte Ursprungsbezeichnung (AOC)
Art. 7
Grundsatz
1

Die Bezeichnungen «Kontrollierte Ursprungsbezeichnung Appenzell Innerrhoden» oder «AOC Appenzell Innerrhoden» dürfen nur verwendet werden, wenn die Voraussetzungen nach Art. 7 bis Art. 12 erfüllt sind.

Art. 8
Abgrenzung des geografischen Gebiets
1

AOC-Wein besteht zu mindestens 90% aus Trauben, die aus dem Kanton Appenzell I.Rh. stammen.

Art. 9
Zugelassene Rebsorten
1

Die Standeskommission bezeichnet die für AOC-Wein zugelassenen Rebsorten.

Art. 10
Zugelassene Anbaumethoden
1

AOC-Wein wird nach folgenden Anbaumethoden hergestellt:

a) Stickelbau;
b) Drahtbau im Direktzug (inkl. Umkehrerziehung);
c) Drahtbau in Querterrassenanlagen.
2

Die Standeskommission kann weitere Anbaumethoden bezeichnen.

Art. 11
Natürlicher Mindestzuckergehalt und Höchstertrag
1

Die Standeskommission bezeichnet den natürlichen Mindestzuckergehalt je Rebsorte sowie den Höchstertrag je Flächeneinheit und Rebsorte für AOC-Wein.

Art. 12
Zulässiges Verfahren der Weinherstellung
1

AOC-Wein wird in einem nach der Lebensmittelgesetzgebung zulässigen Verfahren hergestellt.

Art. 13
Analytische und organoleptische Prüfung des verkaufsfertigen Weins
1

AOC-Wein unterliegt der stichprobeweisen analytischen und organoleptischen Prüfung.

2

Die analytische Prüfung umfasst insbesondere:

a) Alkoholgehalt;
b) gesamte schweflige Säure.
3

Die organoleptische Prüfung findet nach den anerkannten Bewertungsschemen statt. Sie umfasst:

a) Aussehen;
b) Geruch;
c) Geschmack;
d) Gesamteindruck.
4

Die Kantonschemikerin oder der Kantonschemiker erhebt stichprobenweise die notwendigen Proben und führt die Prüfung nach Abs. 2 und Abs. 3 durch. Sie oder er kann Dritte mit der Prüfung beauftragen.

5

Die Produzentinnen und Produzenten sind verpflichtet, die Proben unentgeltlich zur Verfügung zu stellen und tragen die Kosten der Analyse und der sensorischen Prüfung.

6

Die Kantonschemikerin oder der Kantonschemiker orientiert die Produzentinnen und Produzenten sowie das für den Vollzug zuständige Amt über das Resultat der Prüfung.

7

Die Kantonschemikerin oder der Kantonschemiker entzieht offensichtlich fehlerhaften Weinen die kontrollierte Ursprungsbezeichnung.

Art. 14
Geografische Zusatzbezeichnung
1

AOC-Wein kann neben der Bezeichnung gemäss Art. 5 eine der folgenden geografischen Zusatzbezeichnungen tragen:

a) Den Namen des Bezirks, wenn der nach Art. 6 vorgeschriebene Traubenanteil zu 90% aus dem entsprechenden Bezirk stammt;
b) den Namen des Ortsteils, wenn der nach Art. 6 vorgeschriebene Traubenanteil zu 90% aus dem entsprechenden Ortsteil stammt;
c) den Namen der Lage, wenn der nach Art. 6 vorgeschriebene Traubenanteil zu 90% aus der entsprechenden Lage stammt.
IV. Schlussbestimmungen
Art. 15
Ausführungsbestimmungen
1

Die Standeskommission erlässt die erforderlichen Ausführungsbestimmungen.

Art. 16
Inkrafttreten
1

Diese Verordnung tritt am 1. August 2022 in Kraft.

cGS 2022-29

Änderungstabelle – Nach Beschluss

Beschluss Inkrafttreten Element Änderung cGS Publikation
20.06.2022 01.08.2022 Erlass Erstfassung 2022-29

Änderungstabelle – Nach Artikel

Element Beschluss Inkrafttreten Änderung cGS Publikation
Erlass 20.06.2022 01.08.2022 Erstfassung 2022-29